Dom Minden  
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Unsere neue Sakristei

Pfarrbrief vom 14.09.2003:
Am vergangenen Dienstag, am Fest des hl. Gorgonius, des Patrons unseres Domes und unserer Gemeinde, haben wir im Anschluss an einen festlichen Gottesdienst unserer neuen Sakristei die kirchliche Weihe gegeben. Bis auf einige kleine Mängel ist dieser wunderschöne Raum, dessen Entwurf von dem Architekten Prof. Dieter G. Baumewerd (Münster) stammt, der vor kurzem die Nuntiatur in Berlin gebaut hat, zu einer modernen Sakristei umgestaltet worden. Durch die Renovierung des St. Michaelshauses konnte das Alten- und Pflegeheim den Mariensaal für diese Funktion zur Verfügung stellen, nachdem ein anderer ansprechender und würdiger Ess- und Versammlungsraum geschaffen worden ist. Unsere alte Sakristei war sehr klein und bot wenig Platz zur Unterbringung der vielen historischen Messgewänder, die in der Propstei notdürftig untergebracht sind. Andere Nebenräume stehen im Dom nicht zur Verfügung. Außerdem ist wegen der vielen Besucher und der damit verbundenen Unruhe im Dom eine Betkapelle für das stille, intime Gebet dringend notwendig. Die alte Sakristei soll diesem wichtigen Anliegen dienen.

Prof. Baumewerd hat den Fußboden der neuen Sakristei mit Solnhofener Platten ausgelegt und drei Seiten des Raumes mit Wandschränken aus gedämpftem Feldahorn versehen. (Der Vorschlag von Prof. Baumewerd, Elsbeere zu verwenden, wurde aus Kostengründen abgelehnt). In diesen Wandschränken sind die Messgewänder und Alben der Priester, die Gewänder der Frauenministrantinnen, die Röcke und Rochetts der Ministranten, das liturgische Gerät, die Weihrauchfässer und vieles andere mehr untergebracht. Auch die alten historischen Gewänder, die wir gern in einem angedachten neuen Diözesanmuseum in Minden ausgestellt hätten, können hier ihren Platz finden. Sie werden von einer Textilrestaurateurin sorgfältig in Schubladen verpackt, damit sie der Nachwelt unbeschädigt erhalten bleiben.

Die Sakristei der Marienkapelle ist in Absprache mit den Ordensschwestern in die neue Sakristei integriert. So sind Eigenständigkeit und gegenseitiger Austausch sichergestellt. Die alte Sakristei des St. Michaelshauses wurde zu einem würdigen Verabschiedungsraum für die Verstorbenen umgebaut.

An der Fensterfront der Sakristei befinden sich die Ankleidetische für die Zelebranten und Hängeschränke für liturgische Bücher. Die Mitte bildet ein Kruzifix (nach 1700) mit Elfenbeinkorpus, dessen Haupt nach oben gewandt ist; der Gesamtausdruck Christi ist leidend. Am Fuße des langen Intarsienkreuzes ist die Mater Dolorosa dargestellt, die zum Gekreuzigten aufschaut. Vor jedem Gottesdienst versammelt sich die liturgische Gruppe vor diesem Kreuz und beginnt den Gottesdienst mit einem Gebet. So auf das Kreuzesopfer Jesu Christi eingestimmt, ziehen Priester und Ministranten in den Dom.

Vor den Fenstern, die noch künstlerisch gestaltet werden sollen, stehen vier Barockfiguren, die sich vor der Zerstörung an der Barockkanzel im Dom befunden haben. Es handelt sich um den hl. Gorgonius, links vom Kreuz. An der rechten Seite des Kreuzes steht eine Bischofsfigur; es könnte der Mindener Bischof Sigward (1120 - 1140) sein, der in Idensen die wunderbare Grabeskirche St. Ursula gebaut hat. Ganz links vor dem Fenster steht der hl. Laurentius, ein Nebenpatron des Domes; leider ist der Rost in seiner Hand verlorengegangen. Vor dem rechten Fenster befindet sich Bischof Bernward von Hildesheim, dem ein Altar im Dom geweiht war. So haben die Überreste der zerstörten Barockkanzel in der neuen Sakristei einen würdigen Platz gefunden.

Gottesdienstbesucher und Interessenten dürfen gern einen Blick in diesen gelungenen Raum werfen, wenn unsere Küster Cornelia und Gerhard Rosomm, die Hüter dieser Sakristei, anwesend sind. Wir freuen uns über die große Bereicherung unseres Domes, die wir mit dieser neuen Sakristei erfahren haben.

Ihr

Paul Jakobi
Propst

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