Dom Minden  
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Flut-Licht

Pfarrbrief vom 08.12.2002:
Schon von weitem sieht man abends in den Städten die Fußballstadien, in denen das Flutlicht eingeschaltet ist. Die vielen Mannschaften sind für diese technische Errungenschaft dankbar, weil die Spielzeiten ausgedehnt werden können. Früher musste bei Einbruch der Dunkelheit das Training eingestellt werden; heute können die Spieler bis in die Nacht den Ball erkennen und sich im Stadion auf den nächsten Wettkampf vorbereiten.

Die Adventszeit ist eine Lichtzeit, die von den Adventskerzen geprägt ist. Sie haben nicht die Leuchtkraft einer Flutlichtanlage; sie können nicht ein ganzes Fußballfeld mit Helligkeit überfluten. Aber sie sind von einer besonderen Eindringlichkeit. Die Adventskerzen, die im Altarraum unseres Domes wie eine Lichterkette aufgestellt sind, haben wegweisenden Charakter. Sie lenken den Blick auf das Geheimnis, das wir Weihnachten feiern. Mitten in einer Flut von Ängsten und Nöten, von Zerstörung und Verzweiflung stehen kleine Lichter als Zeichen der Hoffnung. Sie sind eine bildliche Hinführung zu dem ersten Satz aus dem Markusevangelium, das uns in dem kommenden Jahr begleiten wird:

"Anfang der Heilsbotschaft von Jesus Christus, dem Sohn Gottes" (Mk 1,1). Dieser Jesus Christus ist das Licht, das die ganze Welt überfluten wird. An dieses Flut-Licht Gottes werden wir Weihnachten erinnert. Das Licht Gottes offenbart sich im Wort. Darum wird von der Botschaft gesprochen, die an die Welt gerichtet ist. Johannes der Täufer mahnt uns, die Stimme Gottes nicht zu überhören.

Das Jahr 2003 wird bundesweit als Jahr der Bibel begangen. Zwar ist die Bibel das am meisten gekaufte Buch der Welt, wird jedoch wenig gelesen. Für den großen Philosophen Immanuel Kant (1724 - 1804) war die Bibel der "edelste Schatz, ohne den er elend wäre." Nach Kardinal Lehmann ist es "die Hauptaufgabe der Kirche, die Botschaft Gottes in der Bibel allen Menschen, allen Sprachen und Kulturen weiterzugeben." Und der Ratsvorsitzende der EKD Präses Kock konstatiert: "Die Bibel ist das Beste, was der Mensch je über sich selbst wird hören können, weil sie von Gottes Zuwendung zum Menschen erzählt." Gott überflutet die Welt mit dem Licht seines Wortes, in dem Liebe und Güte aufleuchten.

Die Adventszeit lädt uns ein, die Heilsbotschaft Gottes zu hören und aufzunehmen. Diese Botschaft ist tröstender und frohmachender als jede Leuchtreklame. Sie gibt uns Kraft, selbst zu einem kleinen Flut-Licht in unserer tristen Umgebung zu werden. Oft sind wir umflutet von Menschen in Trauer und Angst, ohne Hoffnung und Sinn. In dieser Flut von Resignation und Pessimismus könnten wir ein kleines Licht der Freude sein. Dann wären wir Wegbereiter Gottes in die Welt.
 
Ihr

Paul Jakobi
Propst

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