Dom Minden  
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Der Heilig-Geist-Altar in neuem Glanz

Pfarrbrief vom 02.12.2001:
Aufmerksame Dombesucher haben bereits entdeckt, dass der Heilig-Geist-Altar in der Ostapsis des nördlichen Querhauses sich der neuen Orgel gegenüber als kostbares Kunstwerk nach der Restaurierung neu präsentiert. Bis zur Zerstörung 1945 hat dieser wertvolle Renaissancealtar aus der Zeit um 1622 bis 1628 vor dem Fresko des südlichen vorderen Vierungspfeilers gestanden und vielleicht das Wandbild mit den 8 Heiligendarstellungen aus dem Jahre 1270 vor dem Verfall bewahrt. Beim Wiederaufbau des Domes wurde das Fresko freigelegt und der Heilig-Geist-Altar, dessen Jahreszahl deutlich in der Inschrift zu lesen ist, an seinen jetzigen Platz versetzt. Wie im Pfarrbrief vom 8.7.2001 beschrieben, wies der nach dem Kriege wiederhergestellte Altar erhebliche Mängel auf, die zu beseitigen waren. Der Altar ist auf der Basis des frühesten dokumentierten Zustandes von 1892 wiederhergestellt. Der Altar hat seinen Namen sowohl von dem Stifter, dem Dompropst Johannes Schorlemer, als auch von seiner inhaltlichen Aussage: das Wirken des Heiligen Geistes. Darum ist die Taube, das Symbol des Heiligen Geistes, das einzige Detail, das an diesem Altar vergoldet ist. Den krönenden Abschluss bildet auf der Spitze die Christusfigur in der Gestalt des Auferstandenen, der die österliche Siegesfahne in seiner Hand hält. Die andere ist über die ganze Welt weit ausgestreckt. Ihr soll mit allen Geschöpfen das neue Leben zuteil werden. Dazu sendet der Auferstandene seinen Heiligen Geist. Er schwebt über den Aposteln, in deren Mitte Maria sich befindet. Der Geist wird seine Kirche auf ihrem Weg durch die Geschichte begleiten. In der unteren Reihe befinden sich die vier Evangelisten: unter den Muscheln Johannes (links) und Lukas (rechts), außen Matthäus (links) und Markus (rechts). Sie haben unter dem Wirken des Heiligen Geistes die Botschaft Gottes für die Welt niedergeschrieben. Über ihnen stehen drei der vier Kirchenlehrer: Hieronymus (ganz links), Ambrosius und Augustinus (rechts). An der Stelle der zweiten Figur von links müsste Papst Gregor der Große stehen, der der Kirche entscheidende Impulse gegeben hat. Seine kirchenmusikalischen Akzente rechtfertigen die Nähe zur neuen Position des Domchores und der "Schola Gregoriana". Beherrschend im unteren großen Feld ist das Hauptrelief mit der Anbetung des Kindes durch die Hirten. Vor einer im Hintergrund angedeuteten Landschaft mit Stall liegt das Jesuskind in einer Krippe. Maria, Josef und mehrere Hirten sind teils knieend, teils stehend zu beiden Seiten und hinter dem Kind gruppiert. Über dieser Szene schwebt ein Chor von Engeln auf einer Wolke, die das "Ehre sei Gott in der Höhe" singen. Der Erzengel Gabriel hatte zu Maria gesagt: "Der Heilige Geist wird über dich kommen" (Lk 1, 35), und Matthäus berichtet von einem Engel, der zu Josef sagte: "Fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist" (Mt 1, 20). So beginnt auch die Menschwerdung Gottes mit dem Wirken des Heiligen Geistes. Nachdem dieser Altar aus der Zeit der Renaissance so wunderbar restauriert worden ist, haben wir uns in diesem Jahr entschlossen, ihn als Krippe zu verwenden. Die Schafe auf den Feldern sollen uns zum Kind im Stall nach Bethlehem führen. Hier können wir schauen, staunen, danken und anbeten.
 
Ihr

Paul Jakobi
Propst

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