Dom Minden  
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Domführungen

Pfarrbrief vom 16.09.2001:
In vielen Städten mit sehenswürdigen Domen und Kathedralen wird den Führungen und Erklärungen der Kirchen von Seiten der Kirchenleitungen immer größere Bedeutung beigemessen. Zwei Gründe sind für diese Entwicklung bestimmend. Der erste liegt in der Mobilität der Menschen, die sich dem modernen Massentourismus anschließen und die Möglichkeiten nutzen, andere Städte zu besuchen und kennen zu lernen. In vielen Fällen sind in den historischen Städten auch alte oder moderne Kirchen, die in der Regel in das Besuchsprogramm der Reiseunternehmen einbezogen werden. Obwohl die mittelalterliche Symbolsprache kaum noch verstanden wird, beteiligen sich dennoch die meisten Teilnehmer einer Reisegesellschaft an den Besuchen der Kirchen, oft vielleicht nur, um keinen Programmpunkt auszulassen oder erklären zu können, man habe auch diesen Dom oder jene Kathedrale besichtigt. Dabei ist nicht zu verkennen, dass ein Bauwerk einen nachhaltigen Eindruck auf einen Besucher hinterlassen kann. Religiöse Empfindungen aber werden kaum geweckt.

Ein zweiter Grund für qualifizierte Kirchenführungen liegt in der Möglichkeit, kirchenfernen Menschen auf diesem Weg wieder einen Zugang zum Glauben zu erschließen, ähnlich wie bei kirchenmusikalischen Veranstaltungen. Bei solchen Führungen geht es vorrangig weder um baugeschichtliche oder kunsthistorische Erklärungen, sondern um die Deutung der Kirche und der dort zu betrachtenden Gegenstände aus dem Glauben. Die christliche Ikonographie (eikon = das Bild, graphein = schreiben) möchte die Bilder, Skulpturen, Objekte beschreiben und herausfinden, welche Botschaften sie an uns heute vermitteln wollen. Was sehen wir auf dem Bild? Welches Detail fällt uns auf? Warum trägt der heilige Petrus einen Schlüssel, warum der heilige Paulus ein Buch in der Hand? Die Bilder und Zeichen, die vor 500 oder gar 1000 Jahren entstanden sind, müssen in das Denken unserer Zeit übersetzt werden. Erst dann werden sie für die heutigen Besucher interessant. Auch ganz einfache Fragen sind zu besprechen: Warum steht der Taufstein am Eingang des Domes? Warum zünden viele Besucher vor der Pieta eine Kerze an? Was will das Licht vor dem Tabernakel sagen? Warum nehme ich in der Kirche meine Mütze ab? Worin liegt der Unterschied zwischen einem Dom und einem Spielplatz? In einer kirchenpädagogischen Tagung für katholische und evangelische Religionslehrer und -innen vor einigen Tagen in Minden wurde darüber nachgedacht, wie man Kindern über die Spurensuche in einer Kirche neue Wege zum Glauben erschließen kann. Wenn Kinder im Dom auf Entdeckungsreise gehen, werden sie viele Fragen haben, die Einstiege für Religion, Glaube und Kirche sind.

In unserer Gemeinde haben sich mehrere Männer und Frauen bereit erklärt, Domführungen, wenn gewünscht auch Schatzkammerbesichtigungen oder Turmbesteigungen zu übernehmen. Meistens melden sich auswärtige Gruppen im Pfarrbüro für eine Dombesichtigung an; von hieraus werden sie an einen Domführer weitervermittelt. Als ergänzenden Weg haben wir beschlossen, an jedem Mittwoch um 15 Uhr eine öffentliche, kostenlose Domführung - evtl. mit Turmbesteigung - anzubieten. In den Tageszeitungen wird jeweils auf diese Veranstaltung, die von unserem Domküster durchgeführt wird, hingewiesen. Während der liturgischen Feiern, wie Messen, Taufen, Beichten etc. können keine Führungen stattfinden.

Mit diesen Angeboten hoffen wir, sowohl den Bedürfnissen der Menschen als auch den Anliegen unseres Glaubens gerecht zu werden.
 
Ihr

Paul Jakobi
Propst

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