Dom Minden  
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10 Jahre Wärmestube St. Nikolai

Pfarrbrief vom 07.12.2003:
„Eine schlechte Nachricht ist eine gute Nachricht“, lautet das Motto der Medienmacher. Mit positiven Informationen kann man kein Interesse wecken und Leser gewinnen. Skandale sind berichtenswert; sie werden aufmerksam studiert. Auch der Kirche geht es so: Priestervergehen, Korruption, Versagen kommen groß heraus. „Und wo bleibt das Positive, Herr Kästner?“, so wurde der bekannte Dichter, der in seinen Texten kritisch und bissig die gesellschaftlichen Vorgänge unter die Lupe nahm, immer wieder gefragt. „Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt“, war seine lakonische Antwort. Auch die Kirche muss sich fragen lassen: Wo bleibt das Positive?

Auf diese kritische Frage gibt es durchaus Antworten. Eine wird von der Wärmestube St. Nikolai gegeben. Vor 10 Jahren - am Fest des hl. Nikolaus - wurde sie gegründet. Die meisten Helferinnen und Helfer, die sich damals zur Mitarbeit bereiterklärt hatten, sind geblieben. Ihnen sind die Armen und Obdachlosen ans Herz gewachsen. In bewundernswerter Treue versehen sie gewissenhaft ihren wöchentlichen Dienst. Sie verteilen das Essen, hören die Klagen der Betroffenen, geben guten Rat und schenken denen, die am Rande der Gesellschaft leben, Aufmerksamkeit und liebevolle Zuwendung.

Im Evangelium des 2. Adventssonntags werden wir eingeladen, dem Herrn den Weg zu bereiten. Die Wegbereitung Gottes aber führt immer über die Wegbereitung der Menschen! Was krumm ist, soll gerade werden, und alle Menschen sollen das Heil sehen, das von Gott kommt, heißt es beim Evangelisten Lukas (3,5 f.). Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben diesen Auftrag verstanden und sind wirklich adventliche Menschen geworden. Sie zeigen auch uns den Weg.

Es ist viel Positives in der Stadt, über das berichtet werden könnte. Vor 10 Jahren haben die Informationen der Tageszeitungen über die Wärmestube St. Nikolai eine Welle der Zustimmung und Unterstützung bewirkt. Damals ging durch viele Geld- und Sachspenden unbekannter Bürgerinnen und Bürger ein Impuls der Menschlichkeit durch Minden. Die Zeitungen haben gute Nachrichten in die Öffentlichkeit transportiert und damit Erfolge ausgelöst. Vielleicht berichten sie auch künftig über den Dienst derer, die in der Wärmestube und an anderen sozialen Brennpunkten unserer Stadt für die Armen tätig sind.

Heute wollen wir zu dem gelungenen Werk herzlich gratulieren und allen danken, die anderen „die Wege ebnen“ (Lk. 3,4).

Ihr

Paul Jakobi
Propst

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